Das Mittelstufenkonzept
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1. Vorüberlegungen zur Zeitsituation
Nicht erst seit PISA wissen Kollegen, die in den Mittelstufen der unterschiedlichen Schulformen unterrichten, dass Unterrichten im Sinne von klassischer Wissensvermittlung immer schwieriger wird.
Immer deutlicher wird, dass gerade auch an Regelschulen ohne einen ganzheitlichen Ansatz, der neben der Wissensvermittlung auch die soziale Kompetenz fördert sowie geistige und kulturelle Werte pflegt, keine sinnvolle Schule mehr zu machen ist.
Darüber hinaus sehen sich Lehrer damit konfrontiert, immer mehr klassische erzieherische Grundlagen wie Pünktlichkeit, Höflichkeit, Ausdauer in der Schule erüben zu müssen, Aufgaben, die bisher wie selbstverständlich vom Elternhaus erledigt wurden…
Gleichzeitig wird mit einer geradezu unglaublichen Naivität die sich überschlagende Entwicklung der Kommunikations- und Bildschirmmedien begrüßt und es gibt nach wie vor Tendenzen, das Bildungsheil in einer schulischen Aufrüstung mit diesen Medien zu sehen.
Tatsache ist aber, dass die modernen Medien wie Internet, internetfähiges Handy und Labtop (geschweige denn der uneingeschränkten Zugang zu 100 Fernsehkanälen und diversen „Spielen“ an Computer und Spielkonsolen) ein so hohes Maß an Selbstdisziplin und Zielführung erfordern, um sie beherrschen zu können und nicht von ihnen beherrscht zu werden, dass dieses selbst viele Erwachsene überfordert.
Außerdem führt die Beschleunigung vieler Lebensprozesse durch einen von außen aufoktroyierten, sich beschleunigenden Wandel dazu, dass viele Eltern so mit der Bewältigung ihrer jeweiligen Lebenssituation beschäftigt sind, dass ihnen die Energie und Ausdauer fehlt, sich mit ihren pubertierenden Sprösslingen konstruktiv auseinanderzusetzen.
Aber ein Pubertierender muss sich ausprobieren können um in seinem inneren Wirrwarr aus Ansprüchen, Forderungen, Wünschen und Zweifeln durch „Anstöße“ (Zusammenstöße und Anregungen!) mit realen Menschen, die sich für ihn interessieren, schließlich ein eigenes reifes „Standing“ erkämpfen zu können – was ihm wiederum den sinnvollen Umgang mit den realen Herausforderungen unserer modernen Zeit erst ermöglicht.
War früher im Umgang mit Pubertierenden das eisenharte Abblocken die große Gefahr („so lang du deine Beine unter meinen Tisch streckst…“), ist es heute eher das windelweiche blinde Solidarisieren („alle sind gegen uns…“) und ein „Freikaufen“ durch unreflektierte Wunscherfüllung, die einen gesunden Entwicklungsprozess unterlaufen und vermehrt statt früher den „Duckmäuser“ inzwischen den kleinen „Pantoffel-Tyrannen“ hervorbringt – denn, wie Wilhelm Busch schon wusste: Jeder erfüllte Wunsch gebiert unmittelbar fünf neue…
Da wir an der Waldorfschule Gott sei Dank nicht auf einer heilen Insel der Seeligen leben sondern mitten in dieser Zeittendenz, gilt es für uns, alle Impulse der Waldorfpädagogik zu stärken, aus deren ganzheitlichen Grundlagen sich ja einmal mehr die Antworten auf die beschriebenen Herausforderungen unmittelbar ergeben.
Deshalb haben wir uns im Mittelstufenteam darangemacht, ein neues Mittelstufenkonzept für unsere Schule zu erarbeiten.


